Interview mit Chris Chiffre

14:01

Ich hatte wieder tollen Besuch auf meinem Lesesofa. Chris Chiffre hat sich meinen Fragen gestellt.

Die Rezension zum Buch Chriffre 2.0 findet ihr hier.

DL: Hallo Chris! Wir freuen uns dich hier begrüßen und interviewen zu dürfen!

Chris: Hey, die Freude ist ganz meinerseits! Danke für das Interesse an meiner Person!

DL: Könntest du dich unseren Leserinnen und Lesern kurz vorstellen?

Chris: Also, ich nenne mich Chris Chiffre, was natürlich ein Pseudonym ist, und ich habe vor gut zwei Jahren meinen Debütroman, ein Stück Erotikliteratur, in Form eines eBooks selbst publiziert. Seit dem Sommer 2015, ziemlich genau 24 Monate danach, ist die Fortsetzung zu haben. Da ich mein Werk selbst, also ohne einen Verlag, veröffentlicht habe, zählt man mich also zum Volk der sogenannten Independent-Autoren. 

DL: Schreibst du hauptberuflich oder hast du noch einen Brotjob? 

Chris: Wie viele Indie-Autorinnen und -Autoren mache ich das nur nebenher, wie man so sagt, und gehe einem ordentlichen Beruf nach. In meinem Fall ist es so, dass ich unterrichte. Davon kann ich erfreulicherweise auch gut leben, denn von den bescheidenen Einnahmen, die bei einem 99-Cent- bis Zwei-Euro-eBook beim Urheber übrig bleibt, könnte ich unmöglich mein Dach über dem Kopf bezahlen! Aber das muss ich zum Glück auch nicht - es freut mich einfach, dass meine Schreibe gern gelesen wird.

DL: Was magst du, was magst du gar nicht und was ist dir wichtig?

Chris: Puuh, das ist aber eine seeehr umfassende Frage! Also ich beziehe es mal darauf, was mir beim Umgang mit Menschen wichtig ist und gehe jetz' nicht klein, klein drauf ein, was mein Lieblingsobst ist oder dass ich Spinat verabscheue und so weiter ... ;-)
Eine Charaktereigenschaft, die mir sehr wichtig ist, ist die Wertschätzung anderer. Und damit spreche ich bewusst nicht von dem immer wieder gern eingeforderten Begriff Toleranz. Wenn ich etwas toleriere, dann heißt das, ich finde es eigentlich doof bzw. mir gefällt es nicht, aber ich sage nichts dagegen. Etwas tolerieren heißt etwas dulden. Einen Menschen oder eine Sache wertzuschätzen meint aber etwas anderes: Ich erkenne etwas Liebenswertes an meinem Mitmenschen und darauf gehe ich ein. Umgekehrt finde ich es aber auch okay, einen Menschen zu kritisieren, wenn da etwas ist, was man eben nicht mehr tolerieren sollte. Natürlich muss man bei Kritik immer konstruktiv und sachlich bleiben, das sind die beiden anderen Wesenszüge, die mir sehr, sehr wichtig sind. Unsachlichkeit, irrational oder gar beleidigend zu werden, das macht mich sehr ärgerlich. Klar, das würden die meisten sagen: Ich mag keine unfreundlichen Menschen! Aber ich sehe auch zu, dass ich das mit der konstruktiven Kritik, die ich von allen erwarte, auch selbst konsequent einhalte, selbst oder gerade besonders im Netz. Ich verstecke mich aus verschiedenen Gründen hinter einem Pseudonym, aber ich nutze das nicht aus. Es ist enttäuschend, was manche im Web wildfremden Menschen an den Kopf werfen. 

DL: War es schon immer der Plan gewesen zu schreiben oder bist du auf Umwegen dazu gekommen? Was war der springende Moment dafür zu sagen: »Jetzt will ich es veröffentlichen!«?

Chris: Ich gebe zu, ich finde, ich hatte schon ein frühes Talent zum Erzählen von Geschichten. Aber mir die Mühe machen, solche aufzuschreiben, davor habe ich mich lange gescheut. Es gab in meiner Jugend ein paar Anekdoten, die ich mal niedergeschrieben habe, unterhaltsame autobiografische Geschichten von wenigen Seiten Umfang. Zum Schreiben dessen, was ich dann als Roman publiziert habe, kam ich dazu, wie Orson Scott Card (der Autor von »Ender's Game«) es in einem Interview mal sehr treffend beschrieben hat: Zwei Dinge gibt es, die einen zu Schreiben bringen: Entweder man eifert einem Idol nach oder man meint, man kann das besser!

Bei mir ist Letzteres der Fall: Als ich das Genre Erotikliteratur entdeckte, das war so Anfang dieses Jahrhunderts, und in ein, zwei sehr populäre Werke reinschaute (Ich möchte darauf hinweisen, das war laaange bevor »Fifty Shades« in der Welt war!), da dachte ich mir, ganz ehrlich: Poah, das ist ja schlecht geschrieben – das kann ich besser! Ich kann nicht anders, mich stört bei vielen Erotikromanen, auch bei den erfolgreichen (Popularität ist nicht gleichzusetzen mit Qualität), dass die Verfasserinnen und Verfasser da anscheinend schlecht recherchiert haben und keine Ahnung, was sie sich da zurecht fantasieren! So was macht mich insofern ärgerlich, als dass man einem Krimiautor auch vorwerfen würde, wenn der Tathergang, den der Kommissar in seinem Werk irgendwann aufdeckt, völlig abstrus ist. Man erwartet, dass der Verfasser da sein Handwerk ordentlich betreibt und beispielsweise eine arsenvergiftete Leiche auch die korrekten Symptome zeigt. Warum stellt man an Erotikliteratur nicht auch diesen Realismusanspruch? Wenn nach »Fifty Shades« beispielsweise in Baumärkten die Umsätze von Seilen und Kabelbindern rapide zunahmen, dann kann man doch schlussfolgern, dass die Leserschaft das ernst nimmt ja vielleicht sogar was »nachspielen« will. Dann sollte das aber kein Quatsch sein, was da geschrieben steht ...

DL: Unterstützen dich deine Familie und Freunde, oder wissen die gar nicht, dass du schreibst?

Chris: Es wird wohl nicht verwundern, dass wirklich nur wenige von meiner Rote-Ohren-Literatur wissen. Denn – auch etwas, das mich, ehrlich gesagt, wundert – gerade mit diesem Genre können viele nicht umgehen. Sie nehmen das einfach zu ernst. Wenn jemand Krimis bzw. Thriller schreibt, die vielleicht unfassbar brutale Szenen enthalten, dann haben Leser die Distanz dazu und denken: Is' ja alles nur ausgedacht! Aber wenn man sich auf pornografisch detaillierte Szenen spezialisiert hat, dann geht das für viele ja gar nicht! Sie verwechseln die Figuren und das, was da geschieht, mit dem wirklichen Leben, dichten der Verfasserin oder dem Verfasser bestimmte sexuelle Neigungen an usw.

Deshalb ist es recht angenehm, sich hinter einem Pseudonym zu verbergen. Und, ehrlich gesagt, wer würde sich wohl dabei fühlen, dass zum Beispiel die eigene Mutter liest, was man sich da für extrem unanständigen Kram ausgedacht hat? Oder die Geschwister? Oder die Schwiegereltern?

Dennoch habe ich ausgewählte Personen in mein literarisches Schaffen eingeweiht. Meine bessere Hälfte weiß Bescheid, auch ein Teil meiner Verwandtschaft sowie einige wenige Kollegen. Aber ich habe mir das schon jeweils gut überlegt, wem ich davon erzähle und wem nicht. Was die Frage nach konkreter Unterstützung betrifft, ich wollte gar nicht, dass meine Verwandten da jetzt unbedingt Werbung für mich machen, denn dann würde das ja Kreise ziehen und Menschen einweihen, die davon nicht zu wissen brauchten. Außerdem finde ich es auch sagen wir ehrlicher, wenn ein Werk sich durchsetzt und populär wird, weil völlig Fremde es gut finden und weiterempfehlen und nicht, weil die gesammelte Verwandtschaft einzeln auf „Like“ klickt oder einem verherrlichende Online-Rezensionen hinterher schmeißt.

DL: Wenn du gerade mal kein Buch in der Hand hältst oder eins schreibst, wo und wie erlebt man dich dann?

Chris: Wer meine Facebook-Präsenz u./o. mein Blog kennt, weiß, dass ich in Sachen Kreativität breit aufgestellt bin. Ich schreibe nicht nur, ich fotografiere und gestalte auch, und das schon viel länger als das Produzieren von Literatur. Diese verschiedenen Leidenschaften bringen, seit mein Debütroman in der Welt ist, Synergien mit sich: Ich finde neue Models für ungewöhnliche Fotosessions, gestalte Bilder zu denen ich Geschichten »dahinter« erfinde oder Fotos illustrieren schon vorhandene Texte von mir. Das ist aber immer viel Arbeit, ich habe also ständig zu tun. Außerdem bin ich sehr viel für meine Familie da.
Wenn ich mal die Zeit dazu habe, gehe ich gern ins Kino.
Zum Lesen selbst komme ich schon lange nicht mehr; ich habe mich auf Hörbücher verlegt, die ich auf dem Weg zur Arbeit oder nach Hause häppchenweise genieße. 

DL: Welche 3 Sache und welche 3 Bücher würdest du auf eine einsame Insel mitnehmen?

Chris: Bücher: Von Daniel Suarez: Daemon, Darknet und Control.
Die drei Dinge ... schwierig. Wohl mein Smartphone, Strom und Internetzugang vorausgesetzt, denn ich bin ein sehr kommunikativer Mensch und ohne Interaktion mit anderen würde ich eingehen. ;-) Aber das ist dann, glaub ich, geschummelt, wenn man so was dabei hat, denn dann geht das ganze Einsame-Insel-Feeling ja flöten. Folglich scheidet mein Computer, an dem ich meine Fotos bearbeite und im Netz publiziere, wohl auch aus. Schließlich ergibt es keinen Sinn, eine Kamera mitzunehmen, denn das Inselidyll würde ich gar nicht fotografieren wollen, ich fotografiere ja Menschen. Also was bleibt, wenn man allein bleibt? Eine aufblasbare Matratze vielleicht, mit der ich mich auf dem Meer rum treiben lassen kann? Oder ein bequeme Liege (die ich dann aber im Schatten aufstelle, ich mag nicht gern in der prallen Sonne sein).
Ach ich würde als einzigen Gegenstand wohl ein Motorboot mit genug Sprit mitnehmen, um alsbald von der Insel wieder zu verschwinden – damit ich mich da nicht zu Tode langweile! XD

DL: Mit welchem deiner Protagonisten würdest du gerne einen Tag verbringen?

Chis: Ich finde alle meine Protagonisten toll. (Okay, Eva ist mir vielleicht ein bisschen zu gefühlsduselig.) Und einen Tag – hey wenn, dann wollte ich die Nacht mit ihnen verbringen! ;-) 

DL: Hast du ein Idol? Wenn ja, wen und wieso?

Chris: Meine literarisches Idol ist der Autor Daniel Suarez, weil er so unfassbar gute Ideen zum Schreiben hat, und seine Romane sind so gut durchdacht und recherchiert, ich wünschte, ich könnte so was – aber dafür bin ich zu doof! :-P

DL: Welchen berühmten Autor/in würdest du gerne mal zum Essen einladen?

Chris: Naja ... ich fänd es reizvoll, vielleicht E. L. James bei einem Tischgespräch zu fragen, wie sie es geschafft hat, mit sooo einer Schreibe (*räusper*) berühmt zu werden – aber das würde mir eigentlich nur den Abend versauen. ;-) Ehrlich gesagt weiß ich nicht so recht. Bin da einfach anders als die meisten Menschen. Ich kann eine Geschichte oder auch einen Film ganz toll finden, aber irgendwie will ich dann gar nicht nachbohren, was für ein Mensch dahintersteckt. Starkult liegt mir einfach nicht. Ich maße mir auch nicht an, von der Schreibe eines Menschen irgendwelche Schlussfolgerungen auf sein Wesen zu ziehen. Außerdem kann das ja auch böse enttäuschend sein: Viele Hollywood-Stars, die man in ihren Filmen bewundert, sind privat gar keine so liebenswerten Zeitgenossen. Was wenn eine Autorin oder Autorin einfach brummelig ist an dem Tag unseres Treffens? Das verdirbt mir dann vielleicht die Freude an der Lektüre, die ich doch so lieb gewonnen hatte. Umgekehrt freut mich natürlich, wenn meine Leserschaft sich für mich interessiert – eine Leserin hat mich ja sogar mal für ein paar Tage besucht und begleitet, sogar zur Arbeit.

DL: Eine klassische Fangfrage: bist du der eBook- oder Print-Fan?

Chris: Da antworte ich salomonisch: Ich liebe gut gemacht Hörbücher! ;-)
Ein paar Empfehlungen gefällig?
»Control« von Daniel Suarez
»Robocalypse« von Daniel H. Wilson
»A long way down« von Nick Hornby – unfassbar ausdrucksstark gelesen (mit verteilten Rollen)!
Aber nicht ohne Grund habe ich meine Werke bisher ausschließlich als eBook publiziert. Ein kleines Essay mit Begründungen, warum ich eBooks für das bessere Medium halte, habe ich auf meinem Blog veröffentlicht. (Mein Aufsatz wurde sogar schon rund zweihundertmal bei Facebook geteilt.)

DL: Wenn eines deiner Bücher verfilmt würde, wer sollte die Hauptrollen spielen?

Chris: Ha! Über so was Ähnliches habe ich mir schon mal Gedanken gemacht, als eine Leserin wissen wollte, ob meine Romanfiguren eine reale Person als Vorlage haben. Tatsächlich habe ich mir beim Schreiben damals jeweils keine konkrete Person oder eine Schauspielerin bzw. Schauspieler als perfekte Besetzung vorgestellt. Aber ich habe schon mehrfach versucht, Fotomodelle zu finden, die phänotypisch zur Beschreibung einer jeweiligen Romangestalt passen würden. Ein Beitrag auf meinem Blog verweist auf diverse Fotos von Personen (u. a. Schauspieler), die ich mir ganz gut vorstellen könnte für die jeweilige Rolle.

DL: Erzähl uns doch bitte etwas über deinen aktuellen Roman.

Chris: Meine Fortsetzung mit dem Titel »Chiffre 2.0« knüpft an die verschiedenen losen Enden meines Debütromans an. Wir erfahren mehr über Evas Dom, zum Beispiel wie er überhaupt heißt. Dazu habe ich sogar eine Facebook-Umfrage gestartet, wie ich ihn denn taufen sollte. Die Vorschläge meiner Leserinnen und Follower waren vielfältig. Zum Glück wurde ich aber gewarnt, dass manche so unoriginell waren, mir den Namen einer schon vorhandenen Romanfigur (sogar aus dem gleichen Genre!) vorzuschlagen. Das finde ich natürlich peinlich - da hätte ich ihn ja gleich (amerikanisch) Christian taufen können! :-/
Die Erzählstruktur aus dem ersten Teil wird beibehalten, d. h. die Narration wechselt zwischen Christopher, Marc und Larissa einerseits und Evas »Sklavenbriefen« andererseits. Aber es kommt nun auch zu einigen Begegnungen, welche die Leserschaft wohl überraschen dürften. Tatsächlich habe ich sowas schon beim Verfassen des ersten Teils geplant, nur hat es eine Weile gedauert, diesen Bogen zu spannen. Leider ist es mir nicht gelungen, alle Figuren aus dem ersten Teil wieder einzubauen, obwohl sich manche ein Wiedersehen mit ihnen gewünscht hätten. Auch Viviens Präsenz, soviel darf ich verraten, wird im zweiten Teil deutlich zurückgenommen, um dem Verhältnis zwischen Eva und – ups, beinahe hätte ich seinen Namen verraten! – ihrem Dom mehr Raum zu geben.

DL: Beruht die Fortsetzung auch auf wahren Begebenheiten, so wie das beim ersten Teil war?

Chris: Mehr denn je! Die Chiffre-Romane thematisieren ja, dass Erfahrungsberichte und intime Erlebnisse Vorlage für einen erotische Novelle sind. Und das ist auch oder gerade im zweiten Teil de facto geschehen: Meine Leserinnen selbst haben mir in privaten Chats den Stoff geliefert, aus dem neue Kapitel entstanden sind. Mein Publikum ist somit selbst zum Teil der Geschichte geworden und erkennt sich darin auch wieder: Eine Leserin der ersten Stunde (und mittlerweile gute Freundin) hat mir unmittelbar nach der Lektüre »ihres« Romankapitels eine seeehr euphorische Sprachnachricht geschickt, in der sie geradezu überwältigt schwärmt, wie gut ich das umgesetzt habe – als hätte ich daneben gesessen, als es passierte! ^_^

(Tatsächlich habe ich mittlerweile sogar Erlebnisberichte vorliegen, von denen denke ich: Das kann ich so nie und nimmer schreiben – das glaubt mir kein Mensch, dass das jemand wirklich getan hat! o_O)

DL: Wie viel von dir steckt in deinen Geschichten?

Chris: Ach, sagen nicht alle Autorinnen und Autoren, Maler, Bildhauer, Musiker und sonstige Künstler, dass immer ein Teil ihrer selbst in ihren Werken steckt? Was die expliziten Szenen in meinem Roman betrifft, ich gebe gerne zu, dass ich über den Erfahrungshintergrund verfüge, dass ich weiß, wovon ich da erzähle (*räusper*) – das heißt aber nicht, dass ich das persönlich favorisiere oder bevorzugt praktiziere. (Dazu sei wieder der verweisen auf den Krimi-Autor, der, nur weil er eine gut recherchierte Tatbeschreibung liefert, nicht automatisch mordlüstern ist.)

Was aber in jedem Fall von mir in den Szenen steckt, die ich Christopher und Co. erleben lasse, ist meine Auffassung von guter, ich möchte sagen gerechter Erotik: Lust und Leidenschaft, Hingabe und Ekstase ohne Zweifel und Reue. So leid es mir tut, ich kann mit dem Romantic-SM-Kram, der so populär ist in der Erotik-Literatur, nichts anfangen. Die Rollenverteilung mit dominant und devot, des Dirigierenden und der Dienenden, das liegt mir einfach nicht. Sicher, es macht ungefähr die Hälfte meiner Kapitel aus, aber damit tue ich dem Massenpublikum einen Gefallen. Mein Herz schlägt jedoch für Charaktere wie Christopher und Larissa, für Lily und Marc: Sie begegnen einander auf Augenhöhe, nehmen sich, was sie möchten - ohne inszenierte Rollen, ohne dabei die eigene Lust dem anderen als Verantwortung aufzubürden. Sie genießen einfach die Lust an sich selbst und die Lust am anderen. Dazu brauchen sie keine Fesselspiele, müssen sich nicht zum Höhepunkt peitschen, es ist einfach nur selbstbewusste Lebensfreude und Hingabe an den Moment. 

DL: Wie kommst du an die Geschichten? 

Chris: Wie schon gesagt, sie werden mir tatsächlich zugetragen. Natürlich sind auch eigene Erfahrungen dabei und eingearbeitete Inspirationen aus allen möglichen Quellen. Was ich bewusst nicht mache, ist aber die erotischen Werke anderer Lesen. Zum einen will ich nicht Gefahr laufen, da was abzukupfern, zum anderen will ich mich nicht ärgern müssen, dass da eventuell jemand eine ähnliche gute Idee, die grad in meinem Kopf kreist, schon vorher hatte. ;-)

DL: Wie lange brauchst du für eine deiner Geschichten - vom ersten Satz bis zur Endfassung?

Chris: Die Episodenhaftigkeit meines Werks erlaubt es mir, mich Kapitel für Kapitel vorzuarbeiten, und wenn eins abgeschlossen und noch mal Korrektur gelesen ist, dann kann ich da einen Haken hinter setzen und mich dann einem ganz anderen Szenario widmen. Daher schreibe ich ein Kapitel dann meist auch am Stück. Es kann lange in meinem Kopf herumgeistern, ich überlege hin und her, wie ich eine Idee ausgestalten kann, wie ich hinführe zu der Situation und so weiter. Wenn ich dann am Bildschirm sitze und es dann in einen konkreten Text gieße, geht es recht schnell, die Seiten purzeln regelrecht aus meinen Fingern. Vieles fällt mir dann aber auch beim Scheiben selbst ein. Das haben ja schon viele Autorinnen und Autoren so beschrieben: Ihre Figuren entwickeln ein Eigenleben und wenn man dann im Flow ist, dann rauscht die Erzählung voran, und der Schreiber ist nur noch als Protokollant der Ereignisse auf dem Beifahrersitz. Das ist eigentlich das besonders Schöne: Ich lege mir einen Handlungsstrang zurecht, den habe ich im Kopf, wenn ich zu schreiben beginne, aber dann kommen immer wieder neue Einfälle und ich erzähle das Geplante nicht geradlinig, sondern mit Schleifen und Kurven, füge Details hinzu, schmücke aus. So kommt dann eine weit größere Textmenge zusammen.
Aber kein Witz: Wenn ich ihn Ruhe vorausdenken kann und dann nur noch dem Schreibfluss ungestört seinen Lauf ließe, dann könnte ich, was die reine Textproduktion betrifft, einen Roman binnen einer Woche niederschreiben.

DL: Warum hast du die Geschichte von Eva und ihrem Herren unterteilt, also immer andere Geschichten dazwischen?

Chris: Tatsächlich schreibe ich diese beiden Handlungsstränge unabhängig voneinander. Beim Finalisieren meines Werks schiebe ich sie dann ineinander. Ich persönlich mag ja Romane mit vielen wechselnden Figuren und Schauplätzen. Ich weiß, manche finden das anstrengend, aber ich möchte beim Lesen auch etwas in meiner Konzentration gefordert sein, dass ich mich nicht langweile. ;-)

DL: Was ist als Nächstes geplant und gibt es vielleicht sogar einen kleinen Tipp ;) ?

Chris: Hm … Ich habe natürlich noch ein paar Szenarien im Kopf, die ich gerne umsetzen will. Tatsächlich traue ich mich das bei Manchem aber nicht so recht, weil das quasi einen Höhepunkt darstellt, wo man sich denkt: Okay, das ist jetzt eigentlich nicht mehr steigerbar! Ich habe beispielsweise gegen Ende meines zweiten Teils ein Kapitel [Achtung! Spoiler!], in dem Sex zu dritt thematisiert wird. Und es endet so, dass zu erwarten ist, dass da in der Fortsetzung dran angeknüpft wird. Aber ich bin unentschlossen, ob ich da noch eins draufsetzen soll: Sex zu viert? Eine Orgie im Rudel? Und was sollte dann noch kommen …?

Selbstverständlich wird Eva mit ihrem Dom auch noch so Einiges erleben; er wird noch anderes an ihr ausprobieren, sie wird noch in ganz andere nervenaufreibende Situationen geraten. Außerdem ist ja angedeutet, dass in Zusammenhang mit Viven noch was folgen muss. Es gibt also noch genug zu erzählen … ;-)

DL: Vielen Dank für dieses Interview Chris! Wir freuen uns schon mehr von dir zu hören <3


4 Kommentare

  1. Sehr schönes Interview! Hat mir gut gefallen
    Liebe Grüße

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    1. Vielen Dank liebe Heike
      Liebe Grüße
      Astrid

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  2. Ein sehr interessantes Interview. Habe wieder einiges Neues erfahren.

    Liebe Grüße Chrissi

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  3. schön, mal ein wenig Einblick von dir privat zu bekommen. schönes interview, danke dafür.

    liebe grüsse Birgit

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