Interview mit Felix Scharlau
09:00DL: Hallo Felix Scharlau! Wir
freuen uns dich hier begrüßen und interviewen zu dürfen!
Aber gerne.
DL: Könntest du dich
unseren Leserinnen und Lesern kurz vorstellen?

DL: Schreibst du hauptberuflich
als Autor oder hast du noch einen Brotjob?
Ich kenne bestimmt
zehn Leute, die schon Bücher veröffentlicht haben, zum Teil bei sehr, sehr
großen Verlagen. Von denen konnte niemand jemals davon leben, höchstens mal ein
paar Monate oder länger die Miete bezahlen. So natürlich auch ich nicht. Denke,
das ist eher die Regel als die Ausnahme. Ich habe daher in der Tat einen
Brotjob. Der ist aber sogar super, wenn ich ehrlich bin. Ich stelle es mir auch
nicht nur toll vor, von seinen Büchern leben zu müssen. Den immensen Druck
hätte ich nicht gerne.
DL: Was magst du
besonders und was magst du gar nicht?
Pizza. Gar nicht:
Kohlrabi.
DL: Was war der
springende Moment für dich zu sagen: "Jetzt will ich ein Buch
veröffentlichen!"?
Den gab es nie. Zum
Glück. Beim ersten Buch habe ich damals immer noch behauptet, ich schreibe eine
Kurzgeschichte, als Freunde sagten „Ja, verstehe, nur ist die schon 150 Seiten
lang“. So war es dann irgendwie von selbst soweit gekommen. Ich kann mir nichts
Schlimmeres vorstellen, als vor einem leeren Word-Dokument zu sitzen und mir zu
sagen, dass da jetzt 250.000 Zeichen reinmüssen. Das würde ich nie fertig
kriegen. Die Bücher sind einfach passiert. Das erste war Zufall, beim zweiten
konnte eine Idee bei einem Verlag untergebracht werden, bevor das Buch
überhaupt richtig begonnen war. Diese Aussicht beflügelt natürlich.
DL: Unterstützen
dich deine Familie und Freunde?
Ja, sie lesen zum
Teil Korrektur, geben Tipps und loben auch mal mehr, als sie vermutlich wollen.
Meine Mutter bestellt zudem immer von jedem neuen Buch 20 Exemplare in einer
Buchhandlung, die sie dann verschenkt. Ich habe sie aber fast soweit, dass sie
das beim dritten Buch mal unter falschem Namen macht. Der Buchhändler setzt
bestimmt voll den Mitleidsblick auf, wenn meine Mutter den Laden verlässt. Der
Arsch!
DL: Wenn du gerade
mal kein Buch in der Hand hältst oder eins schreibst, wo und wie erlebt man
dich dann?
Ich habe ein kleines
Kind und bin entsprechend sehr privat, gehe zurzeit eher wenig aus. Außerdem –
siehe den Anfang von Satz 1 – lese ich derzeit fast nie Bücher. Ich komme
einfach nicht dazu. Man kann mich aktuell aber häufig antreffen bei Rewe, in
der Linie 13 (Köln) oder auf dem Melatenfriedhof, da versuche ich, Eichhörnchen
mit bloßen Händen zu fangen.
DL:
Welche 3 Sachen und welche 3 Bücher würdest du auf eine einsame Insel
mitnehmen?
Sachen: Playstation,
Kasten Sprudel, Hubschrauber. Bücher: Rohstoff von Jörg Fauser, Herr derRinge von Tolkien und Die drei ??? und der Grüne Geist von, ich glaube,
Robert Arthur.
DL: Hast du ein
Idol? Wenn ja, wen und wieso?
Vielleicht Alex
Meier von Eintracht Frankfurt. Wer ihn nicht kennt: Der war vor zwei Jahren
Torschützenkönig der Bundesliga, dabei hat er genaugenommen nicht mal den
richtigen Körper für einen Fußballer. Seine Interviews sind die langweiligsten
der Welt, weil er so bescheiden ist und nichts aus seinem Privatleben
preisgeben will. Er ist die Antithese all dessen, was heute „in“ ist. Er ist
der Typ, der ganz einfach mal die Fresse halten möchte, obwohl er ständig im
Rampenlicht steht. Wie erfrischend ist das denn? Hach, jetzt habe ich mich
richtig reingesteigert!
DL: Welche/n
berühmte/n Autor/in würdest du gerne mal zum Essen einladen?
Akif Pirinçci. Um
einen Witzklassiker abzuwandeln: Es würde dann für ihn Scheiße mit Himbeeren
geben. Die Himbeeren würde ich aber vorher rauspicken.
DL: Bist du E-Book-
oder Print-Fan?
Mir ist das alles
völlig egal.
DL: Erzähl uns doch
bitte etwas über dein aktuelles Buch.
Das besteht komplett
aus ausgedachten WhatsApp-Chats von berühmten zeitgenössischen oder
historischen oder rein fiktionalen Figuren. Ansatz des Buches ist der Gedanke:
„Wie krass wäre eigentlich eine Welt, in der es schon immer Handys gegeben
hätte?“ Da schreibt dann Ernie an Bert und Elvis Presley an seinen Manager und
Heidi Klum an ihre Nachbarin in Beverly Hills.
DL: Wie lange hast
du dafür gebraucht - vom ersten Satz bis zur Endfassung?
Puh. Das ist
schwierig zu sagen. Die Idee dazu hatte ich im Herbst 2014. Im Januar 2015 hatte
ich einen Verlag dafür und dann ging die Arbeit los bis ca. Mai 2016. Aber ich
habe natürlich auch noch vieles nebenher gemacht. Bücherschreiben als
Fulltime-Job würde für mich nicht funktionieren, weder finanziell noch
gedanklich. Mehr als drei Stunden pro Tag kann ich in der Regel nicht sinnvoll
an einem Buch schreiben. Außer am Schluss, wenn man total in einem Fluss ist.
Dann habe ich auch schon mal zehn Stunden am Stück durchgeschrieben.
DL: Worauf legst du
beim Schreiben am meisten Wert?
Keine Füllwörter,
keine Floskeln, keine dummen Metaphern. Das stört mich bei Autoren – egal ob
Romanschreiber oder Journalisten oder Social-Media-Leute – am allermeisten.
DL: Was ist als
nächstes Projekt geplant und gibt es vielleicht sogar einen kleinen Tipp ;) ?
Ich möchte gerne
wieder einen Roman schreiben und bin auch schon auf S.9 in Word – fast da!
Darüber reden möchte ich an der Stelle aber noch nicht. Wird aber geil!
(vielleicht)
DL: Vielen Dank für
dieses Interview, Felix! Wir freuen uns schon darauf, mehr von dir zu hören <3
Danke
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