Schöne Seelen - Rezension

10:39

Jeder möchte schön sein - egal woher man kommt, aber einen Markel finden wir immer an uns. Wenn du die Möglichkeit hättest, wie weit würdest du dafür gehen? Wie viel würdest du riskieren?

In der heutigen Zeit strafft man kleine Fältchen "mal eben kurz" in der Mittagspause, aber was ist, wenn ein Eingriff daneben geht?
Millivina von Runkle, eine Frau aus den hohen Kreisen in Zürich, liegt im Sterben - der erneute Versuch für immer Jung zu bleiben ist bei einem Facelift gescheitert. Doch anstatt einer trauernen Familie oder dem Bewusstsein, dass Botox zum Tod führen kann, macht sich Millivina über eine Infusion sorgen. Was ist, wenn das Zeug fett macht? Dann müsste man einen größeren Sag kaufen und das Ausmaß könnte man nicht mit mehr Puder kaschieren - anstatt als eine markellose Grazie zu sterben, wird man einen als fette Frau in Erinnerung behalten. Ein Skandal.
Doch dies ist nicht alles: am Sterbebett verrät Millivina dem Schriftsteller Oskar, dass sie ihre Tochter Mildred adoptiert hatte, dies aber unter keinen Umständen erfahren durfte, damit das Leben wie gewohnt glamoröus weiter verlaufen würde.
Wieso ich all dies aufzähle? Am Anfang mag all dies etwas irritierend erscheinen - wie kann man so sehr nach dem perfekten Ideal für die anderen anstreben, sodass man sich selbst dabei zerstört? Schon im kleinen Alter werden wir zum Perfektionismus gedrängt, sei es durch eine Barbie Puppe oder dem guten alten Knigge. Lieber verbiegen wir uns, als ein schlechtes Image zu erhalten, weil man aus der Norm fällt. Alles, was der Gesellschaft nicht geläufig ist, ist anders, ist schlecht. Doch ist das so?
Im Film "Kingsman - The secret service" sagt Colin Firth: "Manieren machen uns zu Menschen". An diesen Satz musste ich beim Lesen immer denken, denn Philipp Tingler zeigt die Kehrseiten des Glamours. Alles was funkelt ist nicht immer Gold und wenn doch, hatte man dafür einen hohen Preis gezahlt.
Also: in wie weit sind wir noch wir selbst?
Mit der Figur Oskar, der als Sprachrohr und Auge dient, taucht der Leser in die Welt des Scheins ein und durch die Wortgewandheit und den Unterton trifft Tingler den Punkt, um solch eine Gesellschaft genau darzustellen. 
Schöne Seelen vom Kein & Aber Verlag ist mein erstes Buch von diesem Autor und zu Beginn brauche ich etwas, um mich an den Schreibstil zu gewöhnen, doch es lohnt sich!
Wir sind nicht mehr wir selbst - wir lassen uns kommandieren, welches wir auch still befolgen. Das Buch zeigt aber das Resultat davon und darum lege ich Schöne Seelen jedem ans Herz, der mir im vorherigen Satz wiedersprechen möchte. Ihr werdet am Ende verstehen wieso ;)

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